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UNA VOCE Tagung am 14. Oktober 2006 in Köln

Grußwort des Präsidenten der Internationalen Föderation Una Voce, Jack P. Oostveen

Es freut mich, daß ich heute als Präsident der Internationalen Föderation Una Voce hier in Ihrer Mitte sein kann. Ich danke ganz herzlich der Una Voce Deutschland für die Einladung. Vor einem Monat habe ich, damals erster Vizepräsident, die Stelle des Präsidenten übernommen, nachdem Fra’ Fredrik Crichton-Stuart aus persönlichen Gründen dieses Amt niedergelegt hat. Es ist mir eine große Ehre, mich hier als Nachfolger zweier großer Persönlichkeiten, Erik de Saventhem und Michael Davies, mit einem kurzen Grußwort an Sie zu wenden. Erik de Saventhem und Michael Davies haben sich tatsächlich in den schwierigen Zeiten der vorhergehenden Jahrzehnte ausgezeichnet. Und, wie die Zeit sich zu entwickeln scheint, können wir jetzt die Früchte auswählen und ernten, die diese beiden Präsidenten gesät haben.

Zuerst will Ich Ihnen die Internationale Föderation Una Voce vorstellen:

Im Jahr 1964 rief Dr. Borghild Krane, eine norwegische Psychologin, wegen ihrer Besorgnis darüber, was mit der lateinischen Liturgie geschah, eine internationale Gruppe von Katholiken zusammen. Dieser Aufruf führte damals dazu, daß sechs europäische Delegationen im Jahr 1965 in Rom zusammenkamen und die Internationale Föderation Una Voce gründeten. Die formale Gründung fand schließlich im Januar 1967 in Zürich statt, mit Delegationen aus 20 verschiedenen Ländern. Seit der Gründung waren Erik de Saventhem für 28 Jahre und Michael Davies für acht Jahre Präsidenten. Nach Michael Davies war für zwei Jahre der Österreicher Ralph Siebenbürger Präsident, seit letzten Herbst Fra’ Fredrik Chrichton-Stuart aus Schotland, und heute stehe ich hier aus den Niederlanden. Die Internationale Föderation ist damit eine nachkonziliare Laienorganisation mit dem Hauptziel der Erhaltung und der Förderung des traditionellen Missale Romanum, wie es im Jahr 1962 durch Papst Johannes XXIII. offiziell herausgegeben wurde, sowie der Erhaltung und Förderung des Gebrauchs der Lateinischen Sprache, der Gregorianik und Polyphonie in der Liturgie.

Die Föderation ist als solche durch den Heiligen Stuhl anerkannt. Mehrmals hat die Föderation erfolgreich zugunsten des traditionellen römischen Ritus vermittelt. So hat Erik de Saventhem, unser erster Präsident, Papst Johannes Paul II. im Jahr 1986 von der Notwendigkeit einer Sonderkommission der Kardinäle überzeugen können. Kardinal Stickler hatte schon eher von dieser Sonderkommission gesprochen. Die Föderation ist keine Organisation, die von oben, also von einem Zentralausschuß, geleitet wird. Nein, jede nationale Organisation ist eine autonome Körperschaft mit einer entsprechenden Zielsetzung wie die Föderation, aber auf örtlicher Ebene. Die Internationale Föderation repräsentiert die traditionellen Katholiken weltweit auf der höchsten Ebene in der Kirche. So repräsentiert die Internationale Föderation inzwischen 30 Organisationen in 26 Ländern, seit 2004 haben weitere zwölf Länder um Information und Unterstützung gebeten. Unter diesen Ländern sind viele aus Ost-Europa.
Die Arbeit der Föderation spielt sich, wegen der notwendigen Vertraulichkeit, im allgemeinen hinter den Kulissen ab und gelangt infolgedessen nicht immer an die Öffentlichkeit. So weit zur Internationalen Föderation Una Voce.

Wie steht es jetzt mit dem traditionellen Römischen Ritus in der Kirche, und welche Rolle spielt die Internationale Föderation dabei? Dazu muß ich zuerst um Verständnis bitten, daß wir nicht alles sagen können. Die Kontakte mit Rom haben selbstverständlich einen höchst vertraulichen Charakter.

Offensichtlich hat die Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. für eine Klima-Änderung dem traditionellen Römischen Ritus gegenüber gesorgt. Jeder, der die Bücher des jetzigen Papstes gelesen hat, weiß sehr wohl, welche Gedanken der Heilige Vater in Bezug auf den traditionellen Römischen Ritus hat. Und wir wissen auch mit Sicherheit, daß früher oder später etwas geschehen wird. So haben wir schon gesehen, daß unser Heiliger Vater Erzbischof Ranjith zum Sekretär der Gottesdienstkongregation ernannt hat. Aber unter uns sind einige, denen dies alles viel zu langsam geht. Bevor sie den Mut verlieren, müssen sie gut verstehen, daß Rom „auch nicht an einem Tag gebaut“ worden ist. Unser Heiliger Vater hat sicherlich in Bezug auf den traditionellen Römischen Ritus noch viele Gegner. Anstatt zu kritisieren, ist es besser, für die Intentionen des Heiligen Vaters zu beten: wir wissen schon, welche Absichten er in Bezug auf die Liturgie hat. Mein Vorgänger Fra’ Fredrik Crichton-Stuart hat letzten Januar die Gelegenheit erhalten, nach einer General-Audienz fünf Minuten mit dem Heiligen Vater zu sprechen. Während dieses Gespräches ist dem Heiligen Vater ein Dokument überreicht worden mit einem konkreten Antrag. Über den Inhalt dieses Dokuments können wir leider nichts sagen.

Vor kurzem, gleich nach meiner Übernahme des Präsidentenamts, habe ich, zusammen mit Herrn Leo Darroch, unserem Sekretär, und Frau Monika Rheinschmitt, der Schatzmeisterin, eine diplomatische Reise nach Rom unternommen. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber es ist uns gelungen, innerhalb einer Woche ein Programm für einen dreitägigen Besuch zusammenzustellen. Solch ein Programm mit Terminen bei Dario Kardinal Castrillón Hoyos und Erzbischof Ranjith war leichter zu bekommen als drei Einzelzimmer in Rom in einem Hotel! Obwohl in derselben Woche auch zwei Bischofskonferenzen auf ’Ad Limina’ Besuch in Rom waren. Neben Dario Kardinal Castrillón Hoyos, dem Präfekt der Kleruskongregation und Präsidenten der Päpstlichem Kommission Ecclesia Dei, und Erzbischof Ranjith, dem Sekretär der Gottesdienstkongregation, haben wir auch mit Msgr. Perl, dem Sekretär der Kommission Ecclesia Dei, sowie mit einem Mitarbeiter der Glaubenskongregation und Msgr. Röhr, dem Sekretär von Dario Kardinal Castrillón Hoyos, gesprochen. Diese Termine waren allen sehr fruchtbar und positiv. Einen Bericht über diese Gespräche haben wir jetzt zur Beurteilung in Rom vorgelegt. Wir hoffen, bald eine Erklärung veröffentlichen zu können.

Inzwischen ist auch eine Sondersitzung des Vorstands der Internationalen Föderation Una Voce einberufen. Diese Sitzung soll am Samstag, dem 21. Oktober, in London stattfinden.

Unterdessen brodelt die Gerüchteküche weiter. Wir sahen auch, daß der Papst vor kurzem ein neues Institut Le Bon Pasteur in Frankreich errichtet hat und wie einige der französischen Bischöfe fast in Panik darauf reagieren.

Diese vielversprechende Tätigkeit gibt Hoffnung für die Zukunft. Was soll jetzt noch folgen? Gerüchten zufolge können wir in den kommenden Monaten noch etwas aus Rom erwarten. Diesen Gerüchten können wir nicht widersprechen. Aber bleiben wir trotz dieser Gerüchte - wie stark sie auch sind - nüchtern und warten wir ab, was unser Heiliger Vater tatsächlich entscheiden wird. Er hat jedoch mehrere Möglichkeiten, die Feier der traditionellen Römischen Liturgie freizugeben, und es ist Sache des Papstes, zu entscheiden. Wir sollen sehr vorsichtig sein mit den vielen Spekulationen und wissen, daß jede Möglichkeit mit Beschränkungen oder Gefahren verbunden ist - Beschränkungen kanonischer Art und Gefahren des Mißbrauchs. Da der Widerstand innerhalb des Vatikans und einer Menge des Weltepiskopats noch immer groß ist und eine Freigabe momentan daran nichts ändern würde, sollten wir besonders für unseren Heiligen Vater Benedikt XVI. und seine Absichten beten.