Pro Missa Tridentina Tagung am 28. April 2007 in Kevelaer
Grußwort des Präsidenten der Internationalen Föderation Una Voce, Jack P. Oostveen
Es freut mich, daß ich heute als Präsident der Internationalen Föderation Una Voce hier in Ihrer Mitte sein kann. Ich danke ganz herzlich der Pro Missa Tridentina für die Einladung.. Es ist mir eine große Ehre, mich hier als Nachfolger zweier großer Persönlichkeiten, Erik de Saventhem und Michael Davies, mit einem kurzen Grußwort an Sie zu wenden. Erik de Saventhem und Michael Davies haben sich in den schwierigen Zeiten der vergangenen Jahrzehnte bewährt. Und, wie die Dinge sich gegenwärtig zu entwickeln scheinen, können wir in naher Zukunft die Früchte ernten, die diese beiden Präsidenten mitgeholfen haben zu säen.
Zuerst will ich Ihnen kurz die Internationale Föderation Una Voce vorstellen:
Im Jahr 1964 rief Frau Dr. Borghild Krane, eine norwegische Psychologin, wegen ihrer Besorgnis darüber, was mit der lateinischen Liturgie geschah, eine internationale Gruppe von Katholiken zusammen. Dieser Aufruf führte damals dazu, daß sechs europäische Delegationen sich im Jahr 1965 in Rom trafen und die Internationale Föderation Una Voce gründeten. Die formale Gründung fand schließlich im Januar 1967 in Zürich statt, mit Delegationen aus 20 verschiedenen Ländern.
Heute gehören der Internationalen Föderation 32 Mitgliedsorganisationen aus 27 Ländern an, von Australien und Singapur über Indien, Polen und Frankreich bis zu den USA und Argentinien; Deutschland ist mit zwei Mitgliedern vertreten: der Una Voce Deutschland und der Laienvereinigung Pro Missa Tridentina.
Die Internationale Föderation ist damit eine nachkonziliare und weltweite Laienorganisation mit dem Hauptziel der Erhaltung und der Förderung des traditionellen Missale Romanum, wie es im Jahr 1962 durch der Seligen Papst Johannes XXIII. offiziell herausgegeben wurde, sowie der Erhaltung und Förderung des Gebrauchs der Lateinischen Sprache, der Gregorianik und Polyphonie in der Liturgie.
Als zweiten Punkt will ich heute die Frage aufgreifen, wie es derzeit um den klassischen Römischen Ritus in der Kirche bestellt ist.
Offensichtlich hat die Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zu Papst Benedikt XVI. für eine Klima-änderung gegenüber dem alten Lateinischen Ritus gesorgt. Jeder, der die Bücher des jetzigen Papstes gelesen hat, weiß sehr wohl, welche Gedanken der Heilige Vater in Bezug auf den traditionellen Römischen Ritus hat. Und wir wissen auch mit Sicherheit, daß unter seinem Papsttum früher oder später etwas geschehen wird. Aber wieviel Zeit wird ihm dafür noch bleiben? Er ist heute schon 80 Jahre alt, und aus menschlicher Sicht bleiben ihm nicht mehr viele Jahre. Das ist die menschliche Perspektive und ist auch die Hauptsache des Ungedulds bei Vielen. Aber aus göttlicher Sicht mag das anders sein - und wir sollen darum beten und darauf vertrauen, daß das Rechte geschieht.
So leben wir inzwischen seit mehreren Monaten, ja seit mehr als einem Jahr in Erwartung eines Dokuments aus Rom, wahrscheinlich in der Form eines Motu Proprio: eine Flut von Gerüchten und Spekulationen ergießt sich in den Medien. Wie oft sind die angekündigten Erscheinungstermine ohne die erhoffte Veröffentlichung vorüber gegangen - und jedes Mal gibt es gerüchteweise gleich wieder ein neues Datum.
Wie viele Gläubige sind dadurch immer wieder enttäuscht worden und inzwischen zu sehr entmutigt, um überhaupt noch etwas zu erwarten? Wie viel Geduld werden wir noch aufopfern müssen, bis ein derartiges Motu Proprio erscheint?
An welchen Tatsachen können wir ohne Spekulationen festhalten?
Die Intentionen des Papstes sind uns aus seinen Büchern und anderen Schriften bekannt. Wir wissen, daß er Mit-Initiator der „Reform-der-Reform“-Bewegung ist und daß er die quasi-Abschaffung des klassischen römischen Ritus für falsch hält.
Obwohl im Herbst 2005 die weltweite Bischofskonferenz in Rom den Aufruf von Kardinal Castrillon mit einstimmigem Schweigen beantwortet hat, hat Papst Benedikt XVI mit der Reform der Reform begonnen: Er hat Erzbischof Ranjith zum Sekretär der Gottesdienstkongregation ernannt und sich mit den Präsidenten der Kurien-Abteilungen beraten.
Wir sahen auch, daß der Papst ein neues Institut Le Bon Pasteur (Zum Guten Hirten) in Frankreich errichtet hat. Darauf haben einige Bischöfe fast in Panik reagiert.
Deutlich ist indessen, dass die Gegner des traditionellen Römischen Ritus nicht mehr die ganze europäische Bisschofskonferenz beherrschen wie im Jahr 1986, und deswegen bekämpfen sie den klassischen Römischen Ritus nicht mehr nur innerhalb wie damals, sondern auch ausserhalb der Kirche durch die profane Presse. Sie scheuen kein Mittel in diesem Streit.
Wir wissen durch die Interviews von Kardinal Medina Estevez, Kardinal Castrillon und Erzbischof Ranjith sowie durch eine schriftliche Bemerkung von Kardinal Kasper, dass Papst Benedikt XVI an einem Motu Proprio zur Freigabe des klassischen römischen Ritus arbeitet.
Unterdessen brodelt die Gerüchteküche weiter, da nicht bekannt ist, wann dieses Dokument veröffentlicht werden soll, was es genau enthält usw.
Wir sollten darum sehr vorsichtig sein mit Spekulationen und wissen, daß jede Möglichkeit mit Beschränkungen oder Gefahren verbunden ist - Beschränkungen kanonischer Art und Gefahren des Mißbrauchs.
Wir müssen doch auch bedenken, daß Rom „auch nicht an einem Tag erbaut“ worden ist. Unser Heiliger Vater hat sicherlich in Bezug auf den traditionellen Römischen Ritus noch viele Gegner. Da dieser Widerstand innerhalb des Vatikans und bei der Mehrzahl des Weltepiskopats noch immer groß ist und eine Freigabe des klassischen römischen Ritus momentan daran nichts ändern würde, sollten wir besonders für unseren Heiligen Vater Benedikt XVI. und seine Intentionen beten
Jesus Christus sagt: „Betet ohne Unterlaß.“ (vgl. Lk 21,36) Und: „Um was ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird er euch geben.“ (vgl. Mt. 7,7)